Agora Ausgabe 7 – Religion
Autor: Michael P.
Nachdem die Vorgängerausgabe der Agora Europa das Geflecht menschlicher Gesellschaften in den Fokus gerückt hatte, widmet es sich nun dem Universalthema Religion. Inhaltlich ist hier eine klare Kontinuität erkennbar, denn es geht nur nachrangig um theologische Aspekte – vielmehr stehen die politischen und sozialen Auswirkungen im Vordergrund.
Wie es dem Selbstverständnis und der Tradition dieser Publikation entspricht, finden sehr unterschiedliche, teils auch inhaltlich widerstreitende Positionen Gehör. Einmal mehr liegt es in der Verantwortung des Lesers, sich selbst ein differenziertes Bild zu machen. Die Herangehensweise der Autoren ist dabei naturgemäß von deren akademischer Disziplin aber auch deren weltanschaulicher und metaphysischer Selbstverortung geprägt. Einem zentralen Diskurs binnen der Rechten folgend, nimmt die Auseinandersetzung mit dem Islam einen der zentralen Räume ein. Statt aber populistischer Verallgemeinerung bemühen sich mehrere Verfasser um eine höchst ausgewogene Betrachtung jener jüngsten abrahamitischen Weltreligion und tappen nicht in die Falle einen monolithischen Block zu kreieren und diesen mit den Zersetzungsfolgen der Masseneinwanderung undifferenziert gleich zu setzen.
Mit dem Islam ist zwingend das Christentum im Wechselspiel verbunden, welches noch deutlichere Verwerfungen innerhalb des Lagers begründet. Ist beim Islam die grundsätzliche Ablehnung Konsens – wenn auch mit unterschiedlicher Klugheit begründet – so stehen die rechten Kontrahenten beim Christentum weitestgehend unversöhnlich einander gegenüber. Einigkeit herrscht noch darin, alle postmodernen und neomarxistischen Verwesungsphänomene der Gegenwartskirchen zu verwerfen, die ohnehin nur noch dem Namen nach christlich zu sein scheinen. Deutlich anders steht es um die Frage, ob die christliche okzidentale Tradition sich feindlich-invasiv zur ureuropäischen Identität verhält oder doch ein über 2.000 Jahre harmonisch fusioniertes Abendland hervorbringt, welches sich vernünftiger Weise nicht mehr von christlichen Einflüssen reinigen oder befreien lässt. Beide Stimmen sind in der Agora vernehmbar, aber am Ende steht – zumindest als gedankliches Angebot an den Leser – weder der Sieg der These noch der der Antithese.
Es kristallisiert sich aus der Gesamtschau aller Artikel, in denen heidnische, hellenistische und auch neuzeitlich-philosophische Vermächtnisse und Impulse gleichberechtigt Raum nehmen, eine Synthese hervor. Diese lässt sich auf folgende Formel subtrahieren: Das individuelle Bekenntnis steht nicht auf dem ersten Rang – obgleich es auch ausdrücklich nicht irrelevant ist – sondern prägend ist die kollektive Geisteshaltung, dass ein politisches Wirken im völkischen Sinne nicht in einer Sphäre völliger Gottlosigkeit gelingen kann. Es bedarf zwingend einer Beseeltheit, einer spirituellen und transzendentalen Verwurzelung im Eigenen um zu legitimieren, wer man ist, wem man nachfolgt, wohin man strebt und wen man dazu zwangsläufig bekämpfen muss. Es ist eben diese feste Wurzel, die das rechte Denken fundamental von sozialistischen oder liberalen Ideologien trennt. So sehr diese auch Menschheit, Selbstverwirklichung und radikaler Entgrenzung allen Seins predigen – sie eint am Ende der Weg in die ewige Schwärze des Malstroms. Die Rechte hingegen bejaht die Schöpfung und kämpft für den Wert des Lebens – in dieser Welt und in der nächsten.