Wem gehören meine Gedanken bzw. wessen Gedanken bestimmen mein Leben?

Woher kommen meine Gedanken?

Autor: Sebastian Döhring (Fylgien)

Anmerkung von Frank Kraemer: Artikel, die unter anderem Namen veröffentlich werden, spiegeln nicht automatisch meine Meinung wieder. Sie dienen der Diskussion oder geben Denkanstöße.

"Wenn wir nun davon ausgehen, dass sich die Materie aus kohärenten Informationen besteht, also im Ursprung, welche sich nicht durch Kampf zusammenfinden, warum sollte dies im Großen dann so sein?"
Sebastian Döhring

Ein einfacher Gedankengang: In der Regel gehen wir davon aus, dass wir sind, wie wir sind. Unsere Handlungen erfolgen aus dem Gedanken, welchen wir in dem Augenblick haben. Egal in welcher Situation, wir gehen zumeist davon aus, dass wir in „unserem“ Sinne agieren. Nun, vielleicht gibt es auch eine andere Sichtweise.

Gehen wir davon aus, dass wir in bestimmten Situationen handeln, wie wir es gewohnt sind, stellt sich die Frage: Warum handle ich jetzt gerade so? Sicher gibt es viele Faktoren, auf die unsere Verhaltensmuster zurückzuführen sind, aber in diesem Artikel beziehen wir uns einmal speziell auf ein Thema. Wir sind es gewöhnt, von außen nach innen zu denken. Also die Handlung auf den Gedanken zurückzuführen. Was aber, wenn der Gedanke nicht die unmittelbare Instanz ist, welcher die Tat entspringt? Woher kommt der (ein) Gedanke?

Nun, Gedanken sind keine zufälligen Erscheinungen in unserem Gehirn. Vielmehr könnte man sie als Fortsetzung eines oder mehrerer Gefühle bezeichnen. Denn ein Gedanke entspringt ja einer Emotion, welche wir mehr oder weniger freiwillig empfinden. Was aber sind nun Gefühle? Ich würde behaupten, dass jeder Mensch die Gefühle eher subjektiv beschreibt. Es sei denn, man nimmt dafür eine Art Definition nach Lehrplan zur Hand. Allerdings wird jeder Mensch Gefühle anders wahrnehmen. Das liegt daran, dass Gefühle eigentlich Erinnerungen an vergangene Erfahrungen sind. Das bedeutet, dass ein Mensch in seinem Leben Erfahrungen macht und diese als Gefühl abspeichert. Klingt ein wenig seltsam, aber so ist es. Wir können jetzt schon erahnen, warum ein Mensch Gefühle eben nur subjektiv empfindet.

Als kleines Beispiel könnte man anführen: Ein Kind lernt, dass Liebe immer damit verbunden ist, Leistung zu erbringen, etwas darzustellen und viel Geld zu besitzen. Nun erzeugt dies bei dem Kind eben genau diese Definition im Gehirn bzw. der Psyche (Psyche ist nicht gleich Gehirn). Das Kind wird wahrscheinlich später, wenn es älter wird, das Gefühl „Liebe“ eben genau mit diesen Attributen gleichsetzen. Und zwar in erster Linie gegenüber sich selbst. Sicher gibt es auch andere Wahrscheinlichkeiten, wie sich das Muster des Menschen diesbezüglich entwickeln kann. Wichtig ist hierbei fürs Erste, dass eben ein Verhaltensmuster entsteht. In den meisten Fällen werden Erfahrungen, wie im Beispiel, tief in unser Unbewusstes verdrängt. Denn zeitgleich zu den Erlebnissen „genießen“ wir Erziehung bzw. Konditionierung. Dabei werden wir in der Regel systemkonform bzw. gesellschaftsfähig gemacht. Wir können jetzt schon erkennen, wo die Reise dabei hingeht. Genau, für die individuelle Entwicklung eines Menschen bleibt wenig Raum. Somit hat der Mensch in seinem frühen Stadium kaum die Möglichkeit, sich selbst zu entdecken, sich zu entwickeln oder seine echten Gaben zu entdecken. Das mag erst mal naiv und vielleicht etwas verträumt klingen. Aber wir werden später sehen, wohin dieser Weg meiner Ansicht nach führt…

Wir durchlaufen also eine Form der Erziehung. Dabei bleibt zu unterscheiden, dass wir von unserem direkten Umfeld (Familie, Freunde usw.) und von dem gesellschaftlichen Konstrukt beeinflusst und geformt werden. Die familiäre Beeinflussung impliziert den direkten Einfluss der psychischen Situation der Eltern, Großeltern usw. Die Fragen hierbei lauten unter anderem: Welche Traumata stecken in der Familie? Was fließt im Kollektiv der Familie (Ahnentrauma)? Wie werden die Verhaltensmuster innerhalb der Sippe umgesetzt? Um nur einige der Fragen zu nennen – wir wollen ja beim Thema bleiben.

Als Zweites berücksichtigen wir die gesellschaftliche Erziehung. Eine Art „kulturelle“ bzw. gesellschaftliche Erziehung findet auf der Ebene der „Erziehungsanstalten“ und dem allgemeinen Glaubens- und weltanschaulichen Fundament einer Gesellschaft statt. Dies bezieht natürlich auch Religion usw. mit ein. Dabei geht es eben um Fragen nach der spirituellen, menschlichen Ausrichtung, aber auch darum, wo die Prioritäten der besagten Gesellschaft liegen. Ich komme nicht umher festzustellen, dass in den westlichen Gesellschaften eher eine Art Nihilismus vorliegt als ein tiefes Verständnis oder wenigstens eine ehrliche Suche nach dem Sein. Das ist aber nur mein Eindruck und soll hier nicht näher beschrieben werden. Nun gut, wir haben jetzt schon mal einige Anhaltspunkte, welche uns mittlerweile vermuten lassen, woher unsere Verhaltensmuster kommen.

Wir dürfen davon ausgehen, dass wir also durch unsere Erfahrungen entsprechende Muster ausprägen und uns eine Art Überlebensstrategie aneignen. Dies liegt daran, dass ein Mensch immer die Bindung zur Gemeinschaft sucht. Egal in welcher Situation er sich befindet, vor allem als Kind! Dies ist ein Überlebensinstinkt und rührt wahrscheinlich aus früheren Epochen der menschlichen Spezies. Allein sinkt die Möglichkeit des Überlebens demnach. Nun prägt ein Kind seine Strategie dementsprechend aus, in welchem Umfeld es aufwächst. Dabei ist immer zu hinterfragen, wie liebevoll, ängstlich, wütend, destruktiv oder fürsorglich das familiäre Umfeld war bzw. ist. Darüber hinaus entscheidet die Präsenz der Eltern, das gemeinschaftliche Leben usw. ebenfalls stark darüber, wie sich ein Mensch entwickelt. Sehr schwierig wird es, wenn ein Kind viel zu früh in fremde Betreuung gegeben wird. Dabei entstehen oft Traumata bezüglich der Bindung zur Mutter. Darüber gibt es mittlerweile aussagekräftige Studien. Kinder, welche in so frühem Stadium in eine Fremdbetreuung kommen, neigen dazu, eine Bindung zu Gleichaltrigen aufzubauen. Diese sind aber weder lebenserfahren noch können sie mit Situationen (auch Konflikten) vernünftig umgehen. Oft entsteht eine Art Faustrecht, wobei eben derjenige als Oberhaupt hervorgeht, der am lautesten ist oder gar mit Gewalt seine Interessen durchzusetzen vermag.

Ich persönlich schließe dabei die Logik des Stärkeren, der vermeintlich überlebt, aus. Diese Erklärung wäre mir zu einfach und schlicht falsch. Auf diese Weise entstehen keine starken Charaktere, sondern traumatisierte Menschen, welche später aus den unterdrückten Traumata ihr Leben „gestalten“. So, nun haben wir es bis hierhin geschafft, und ich gestehe, dass wir hier eigentlich noch sehr viele weitere Aspekte einfließen lassen müssten. Ich möchte es dennoch dabei belassen, um nicht den Rahmen komplett zu sprengen. Gehen wir nun davon aus, dass ein Kind bestimmte Muster entwickelt hat und das Kind in die Pubertät kommt. In diesem Stadium prägen sich erneut Verhaltensmuster aus. Und zwar spätestens ab jetzt unbewusst. Das einstige Kind hat seine Erlebnisse bereits tief in sein Unbewusstes verdrängt und beginnt nun den Weg ins „Erwachsenenalter“. Natürlich kann man nicht einfach verallgemeinern und behaupten, dass sich alle Jugendlichen gleichermaßen verhalten. Auch hier verweise ich auf die erlebten Situationen in der Kindheit. Das erlernte Muster kann in verschiedene Richtungen „ausgelebt“ werden. Der Mensch kann bspw. ängstlich und zurückhaltend werden oder auch draufgängerisch und rebellisch. Je nachdem … Auch hierbei spielen natürlich verschiedene Faktoren eine entscheidende Rolle.

Nun ist es so, dass wir bis hierhin verstehen, dass sich das Verhalten eines Menschen eben anhand seiner Erlebnisse entwickelt. Nun scheint es logisch, dass wir den Blick einmal nach innen richten. Erfahrung macht also das, was wir im Allgemeinen als Überlebensstrategie entwickeln. Das bedeutet, dass wir uns unserer Umgebung anpassen. Dabei, wie schon erwähnt, schärfen wir unsere Sinne in bestimmte Richtungen, entscheiden eher unbewusst, wie sehr wir uns an unser Umfeld anpassen und wie wir uns im Allgemeinen verhalten. Sind Kinder dazu angehalten, immer stark zu sein, verdrängen sie zumeist ihren sensiblen Teil und ihre Emotionen. Und das so tief, dass sie diese Anteile oft nicht mehr ins Bewusstsein zurückholen können. Das ist als Kind „überlebenswichtig“, aber in späteren Entwicklungsstufen führt es dazu, dass eine Art unbewusstes Programm im Schatten läuft.

Der Mensch wird es Schicksal nennen („Ich bin eben so“), aber es ist sein Unbewusstes, welches aus seinem Schatten heraus sein Verhalten bestimmt. Carl Gustav Jung sagte einmal: „Solange du dir das Unbewusste nicht bewusst machst, wird es dein Leben bestimmen und du wirst es Schicksal nennen.“ … Dieser Satz bringt es sozusagen auf den Punkt. Denn längst hat die Hirnforschung festgestellt, dass sich unsere neuronalen Netzwerke danach entwickeln bzw. ausprägen, wie unsere Lebenssituation in der Kindheit ist. Natürlich bezieht es sich auch auf das spätere Alter, aber verbleiben wir bei dem Gedanken. Je toxischer das Umfeld, umso mehr richtet sich die Strategie auf den „Überlebensmodus“ und nicht auf freie Entfaltung von Fähigkeiten, Begabungen usw. Wir dürfen also davon ausgehen, dass viele unserer Gedanken gar nicht bewusst entstehen, sondern von etwas anderem beeinflusst werden. Nennen wir es Ego, denn das Ego ist dafür verantwortlich, unsere sozialen Masken zu erstellen, sie anzupassen und zu perfektionieren. Es ist also eine Art Filter zwischen dem Selbst und dem Ich. Die Gefahr beginnt, wenn der Mensch beginnt, sich mit einer oder mehreren sozialen Rollen zu identifizieren. Denn dann neigt der Mensch dazu zu denken, er wäre sein Beruf, sein Hobby oder sonst etwas. Dem ist nicht so, denn seine Existenz endet nicht mit einem Arbeitsplatz, einem Hobby usw.

Philosophisch gesprochen würde man sagen: Ich bin. Es gibt nur Rollen, die man immer wieder einnimmt, um sein Leben zu gestalten. Jedoch ist man nicht diese Rolle. Diese sozialen Rollen sind insofern wichtig, dass wir uns im Leben orientieren, anpassen und in Gemeinschaften überleben. Der Mensch früherer Zeiten benötigte eine Art Herde oder besser Gemeinschaft, um nicht zu verhungern oder Raubtieren zum Opfer zu fallen. Heute fallen diese Gefahren zwar weitestgehend weg, aber ohne sozialen Anschluss gefährdet ein Mensch dennoch sein Überleben in gewisser Weise. Also passt er sich an. Er wird sich in verschiedenen Situationen immer wieder anders verhalten. Ich denke, das wird jeder von uns aus dem Alltag kennen und bei genauer Beobachtung seiner selbst feststellen.

Wir wissen nun von den Rollen bzw. sozialen Masken. So weit, so gut … Aber warum verhalten sich dann nicht alle Menschen gleich? Dies liegt unter anderem daran, dass wir verschiedene Archetypen verkörpern. Dies klingt sehr heroisch, aber es ist nur eine Begrifflichkeit. Im Grunde gibt es verschiedene Archetypen, die unser ganzes Leben in uns „tanzen“. Ich werde nicht direkt auf die 12 Archetypen (plus Anima und Animus) usw. eingehen. Dies würde hier den Artikel sprengen. Aber diese Archetypen werden von einem Menschen verkörpert, je nach seinen persönlichen Erfahrungen. Hinter diesen archetypischen Mustern verbirgt sich der sogenannte Schatten. Das bedeutet, dass wir in diesen Schatten unsere unbewussten Muster, Ängste, Gaben usw. verdrängt haben – jeder von uns. Wir sollten dabei auf keinen Fall in Schwarz-Weiß denken. Schattenaspekt bedeutet nicht zeitgleich schlecht! Lernt ein Kind zum Beispiel, dass es besser „überlebt“, wenn es ruhig ist, egal auf welche Weise es dies lernt, verdrängt es wahrscheinlich seine Lebendigkeit, Neugier und seinen Spieltrieb.

Dies führt dazu, dass es als „erwachsener“ Mensch dann durchaus immer wieder Situationen geben kann, welche ihm entweder immer wieder kindlich entgleiten oder dass er als sehr ernster Mensch wahrgenommen wird. Meist schlägt das Muster in die absolute Gegenseite oder das gleiche Verhalten aus. Das ist aber nur ein Beispiel, und es gäbe dazu noch vieles mehr zu erörtern. Aber das soll für diesen Artikel erst mal reichen, um ein gewisses Verständnis zu erwecken.

Nun können wir schon ziemlich deutlich erahnen, was ich ausdrücken möchte. Unsere Gedanken, welche wir als „unsere“ bezeichnen bzw. betrachten, entstammen zumeist genau solchen Mustern und Archetypen. Die Archetypen per se sind eine wichtige Instanz für unser physisches Leben und somit für unsere Psyche. Ein Erleben mit unendlichen Möglichkeiten wäre ohne sie nicht denkbar. Man kann diese auch nicht löschen oder so etwas. Aber man kann sich ihrer bewusst werden und die daraus resultierenden Muster in sich erkennen. Denn es gibt Menschen auf diesem Planeten, die diese Dinge gezielt erkennen und sogar zur Manipulation einsetzen … zumindest behaupte ich das einfach mal. Hat ein Mensch zum Beispiel bei Konflikten stets oder meist das Bedürfnis zu flüchten oder alles zu relativieren, kann es durchaus sein, dass er als archetypisches Muster immer eine Art Frieden erzeugen will oder immer der Angst unterliegt zu verlieren, Stichwort: Selbstbewusstsein. Genau das ist ein verdrängter Anteil seiner selbst. Es sind zwar Gedanken, welche seinem Kopf entspringen, aber es ist dabei das unbewusste „Programm“ des Archetypen.

Dabei sprechen wir hierbei vom Schattenaspekt. Das sind die Anteile, welche ich oben als verdrängte Anteile beschrieb. In der Regel ahnt der Mensch nichts von diesen verdrängten Mustern und gedenkt, einfach so zu sein. Aber er erliegt einem Irrtum. Man kann diese Dinge auch beobachten, was in Studien auch getan wird. Es ist also gar nicht so, dass wir unsere Gedanken selbst steuern und in unserem Sinne handeln. Je nach Erfahrung des Menschen gerät er in Schwierigkeiten, welche er aus seinem Selbst nicht gehabt hätte, aber aus dem Unterprogramm aus seinem Unbewussten schon. Ein Gewalttäter zum Beispiel wird nicht friedlich durch lange Haftstrafen. Dies erzeugt eigentlich nur ein neues Trauma und neue Personas und Schattenaspekte. Er wird somit nicht seine Aggressionen los, sondern verdrängt sie nur tiefer ins Unbewusste. Man könnte sagen, dass er vielleicht „ruhiger“ wird aus Angst und neuer Strategie. Aber er wird eine Art tickende Zeitbombe bleiben. Auch dies ist nur ein kleines Beispiel und entbehrt natürlich noch so einiger Erklärungen. Aber es reicht auch hier, um ein Verständnis zu erzeugen.

In der Tiefenpsychologie geht man deshalb gezielt in diese Muster, um verdrängte Aspekte zu erkunden und zu beleuchten. Man möchte, dass diese unbewussten Aspekte gesehen werden und somit ins Bewusstsein gebracht werden. Denn sobald man diese Muster, Aspekte und Erfahrungen ins Bewusstsein rückt, beginnt die Transformation bzw. Integration. Dies sorgt dafür, dass diese unbewussten Programme eben nicht mehr unbewusst laufen. Vielmehr kann der Mensch nun erkennen, dass genau diese Persona gerade interagieren möchte. Nun kann der Dialog mit ihr erfolgen. So entsteht ein Verständnis für diesen Aspekt, und man kann ihn entsprechend integrieren. So entsteht aus einem destruktiven Muster eine Art Superkraft, welche dem Menschen wirklich nützlich sein kann. Aus ungezügelter Aggression wird kontrolliertes Selbstbewusstsein, Selbstliebe und Standhaftigkeit in Konflikten, ohne dass der Mensch in eine Art Kriegszustand geht. Denn ich denke, wir sind uns einig, wenn ich sage, dass es einen fundamentalen Unterschied gibt, ob ich in einem Konflikt klar und deutlich meinen Standpunkt artikuliere und auch die Argumente des anderen akzeptieren kann oder ob ich die Fäuste schwinge und eine Art Faustrecht geltend mache. Stichwort: Sozialdarwinismus.

Natürlich sind verschiedene archetypische Muster in den Menschen wichtig, um generell Erfahrungen zu machen und sich gegenseitig zu bewirken. Dennoch bleibt die Frage, ob es vielleicht nicht so viel Leid gäbe, wenn die Menschen sich dieser Archetypen und ihrer Schatten bewusst wären …?!? Weiterhin bleibt zu erwähnen, dass es durch staatliche, gesellschaftliche oder religiöse Konventionen auch eine Konditionierung gibt. Dies führt natürlich ebenfalls zu unterdrückten Aspekten seiner selbst. Um in einer Gemeinschaft oder Gesellschaft zu überleben, kann der Mensch sich nur an die Masse anpassen. Sicher rührt dies eher aus fernen Tagen, da ein Überleben heutzutage dennoch möglich ist. Aber der Mensch hat das Grundbedürfnis nach Bindung. Diesem geht er nach wie vor nach. Ein Kreis, der sich dann in unbewussten Verhaltensmustern wieder schließt. Es bliebe also die Frage offen, wie eine Gesellschaft mit genau diesen Situationen usw. umgeht, um so wenig „Schaden“ wie möglich anzurichten. Ich möchte an dieser Stelle von weiteren Überlegungen absehen, da dies keine politische Abhandlung ist.

Neben dem individuellen Unbewussten gibt es auch noch das kollektive Unbewusste. Letzteres entlädt sich immer, aber in welchem Umfang, bestimmen die Erfahrungen, welche das Kollektiv gemacht hat. Dies gilt natürlich auch generationsübergreifend. An dieser Stelle möchte ich nicht auf Vererbungslehre und Epigenetik eingehen. Auch dieses Thema wäre extra zu behandeln, allein durch seinen Umfang. Die Beeinflussung des Menschen beginnt definitiv schon bei seiner Zeugung. Dazu kommen die Erbanlagen, genetisch und epigenetisch. Je nachdem, wie toxisch das Umfeld ist, gestaltet ein Kind seine Überlebensstrategie. Und genau dort beginnt das Verdrängen ins Unbewusste. Potenziale werden nicht ausgeschöpft, Begabung wird unterdrückt und Herzensangelegenheiten ad acta gelegt. Diese Dinge schwingen dann das ganze Leben mit als unbewusste Verhaltensmuster. „Solange du das Unbewusste nicht bewusst machst, wird es dein Leben bestimmen und du wirst es Schicksal nennen …“ Das sagte C. G. Jung einst so treffend zu diesem Thema. Schauen wir ins Wasser auf unser Spiegelbild, entdecken wir nicht unser Selbst. Unsere Essenz liegt weit darunter, in der Tiefe. Aber genau dieser Blick in die Tiefen unserer Psyche bzw. unseres Selbst erfordert viel Mut und Zeit. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass es niemals darum ging, perfekt zu werden … es geht darum, ganz zu werden. Und umso weniger Anteile ein Mensch abspalten muss, desto mehr ist er er selbst.

Die Personas oder Masken sind nützliche Alltagsbegleiter, wenn der Mensch sie als Werkzeug nutzt. Die Probleme beginnen mit der Identifikation mit ihnen. Das bedeutet nämlich, dass der Mensch einen unbewussten, verdrängten Aspekt hat, welcher die entsprechende Persona gestaltet, und mit dieser Persona identifiziert sich der Mensch. Aber es bleibt eine Illusion zu glauben, dass man eben so sei. Es ist ein unbewusstes Programm. Am schwersten zu erkennen bzw. zu akzeptieren ist, wenn das Verhaltensmuster sogar positive Ergebnisse mit sich bringt. Dann betrachtet der Mensch dies als gute Sache. Denn wie schon angedeutet, sind die verdrängten Aspekte nicht grundsätzlich schlecht. Im Gegenteil, im Schatten schlummert oft großes Potenzial. Was man mit der Integration seiner Schattenanteile bezweckt, ist auch nicht das Eliminieren dieser, sondern eine bewusste, aktive und gewinnbringende Nutzung. Aus diesem Zustand kann der Mensch sein Potenzial entfalten und ein gewinnbringender Teil der Gemeinschaft sein. Und das sogar im vollen Bewusstsein seiner selbst.

Zugegeben, das ist der Optimalfall. Aber wenn sich die Menschen schon entwickeln, und das tun sie ohne Zweifel, dann können sie sich auch in eine Richtung entwickeln, welche bemüht ist, so wenig Schaden wie möglich anzurichten und bereit ist, auch die Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. Aber aus vorangegangenen Artikeln wissen wir ja bereits, dass ein jeder selbst über seine „Realität“ entscheidet … aber das ist wieder ein weiteres Thema. Ich bedanke mich für das Interesse und das Lesen dieses Artikels. Natürlich stellt dieser Artikel wieder nur meine Sichtweise dar, und jeder hat ein Recht auf eine andere Meinung hierzu. Es bleibt auch zu erwähnen, dass man zu diesem Thema noch viele weitere Aspekte hinzufügen könnte bzw. müsste. Aber dies ist ein Artikel und kein Buch. Daher schließe ich an dieser Stelle erst einmal meine Ausführungen.

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